Onlinecasinos waren lange Zeit die einzige Möglichkeit, sich in den Weiten des Internets echtes Geld zu erspielen. Doch seit wenigen Jahren taucht in der Browsergameszene immer öfter der Werbeslogan ‘Spiele kostenlos, gewinne bis zu 10.000€’ auf. Eindeutiger Vorreiter dieser Kampagne ist die Bigpoint GmbH, ehemals e-sport GmbH aus Hamburg, welche sich nicht zuletzt durch die von den Spielern erhofften Gewinnchancen zum größten internationalen Pionier der kommerziellen Browsergames etabliert hat.
Die Erwartungen sind groß, loggt man sich zum ersten Mal in einen dieser angeblichen Goldesel ein. Die ersten Minuten bescheren Adrenalin und Spielspass, das Prinzip des Spiels ist schnell erlernt. Doch spätestens nach dem ersten Blick auf die Rangliste folgt die Ernüchterung: Platz 81.569. Klingt nach einem ganzen Brocken Arbeit, sich da hinaufzuarbeiten. Aber da, plötzlich leuchtet ein vielversprechender Banner auf: Kauf dir Credits und verschaffe dir so einen Vorteil gegenüber deinen Mitstreitern! 1000 Credits für einen Euro klingen ja auch garnicht mal so schlecht. Schnell ist das Handy gezückt, 2 SMS für insgesamt 4€ verschickt, 4000 Credits mehr auf dem Spielerkonto. So, jetzt kann’s endlich richtig losgehen. Die 4000 Credits sind sofort in bessere Ausrüstung verballert und es geht sogar spürbar ein wenig bergauf. Also folgt ein weiterer Blick auf die Rangliste: Rang 35.740. Autsch! Da liegt immernoch viel Arbeit vor mir. Eine durchgezockte Nacht später: Um 3000 Credits reicher. Das geht ganz schön auf die Substanz, da ist es doch viel rentabler, nochmal eben 10€ reinzustecken. Zwei Wochen später, insgesamt bereits um die 60€ in den Account investiert, verliert man langsam die Lust und hört auf zu spielen. Die ersten Plätze und damit auch die Geldgewinne sind nahezu unerreichbar, möchte man keine 500€ investieren, folgt die nüchterne Erkenntnis.
Nach dem beschriebenen Prinzip laufen die meisten der Browsergames aus dem Hause Bigpoint ab und obiges Handlungsschema lässt sich bei tausenden Spielern beobachten. Spieler, die lediglich auf den Geldgewinn aus sind, werden also zu 99,99 prozentiger Wahrscheinlichkeit enttäuscht. Man muss Bigpoint jedoch zu Gute halten, dass es immer freiwillig ist, echtes Geld zu investieren. Für Spieler, die einfach nur kostenlos ihren Spass haben möchten, sind die grafikintensiven Browsergames also weiterhin interessant. Möchte man allerdings auf der Rangliste hoch hinaus, kann der Geldbeutel unter Umständen enorm darunter leiden.
Besonders in der Fernsehwerbung spekuliert Bigpoint auf den Reiz, reales Geld zu gewinnen. Viele Fernsehkonsumenten haben zuvor noch nie ein Browsergame gespielt und fühlen sich deshalb ausschließlich von der Gewinnchance angezogen.
Vor Jahren noch eine Randnische des damals erst aufkommenden Computerspiele-Hypes, haben sich sogenannte Browserbasierte Multiplayer-Games (kurz: Browsergames – Spiele, die sich mit jedem modernen Webbrowser spielen lassen) heutzutage schon einen festen Platz in die abendlichen Werbespots der größten deutschsprachigen Fernsehsender erkämpft und können zusammengezählt bereits mehr registrierte Spieler aufweisen, als Top-Titel wie World of Warcraft an Verkaufszahlen in Europa. Das große, aus dem deutschsprachigen Raum stammende Browsergame-Portal Bigpoint vereint beispielsweise in seinen zur Zeit 22 Browsergames eine Spielergemeinde von über 12 Mio. Nutzern. Doch wie kam es überhaupt zu solch einem „Wandel der Spielerinteressen“? Denn schaut man sich die Spiele einmal genauer an, erkennt man vor allem im grafischen Bereich eindeutige Defizite im Vergleich zu klassischen Verkaufstiteln.
Wir schreiben das Jahr 2003. Zu dieser Zeit sind Browsergames noch vereinzelte Hobbyprojekte von „gelangweilten Studenten, die mit ihrer Zeit nichts besseres anzufangen wissen“, so die verbreitete Meinung derer, die damals überhaupt schonmal ein Browsergame von Innen gesehen haben. (Der Vollständigkeit muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass Browsergames zu dieser Zeit noch textlastige, in Tabellen aufgebaute Spiele waren, in denen vereinzelte Grafiken schon eine Sensation waren.) Dennoch gelingt es einigen Hobbyentwicklern, langsam aber stetig eine feste Fangemeinde um ihr Projekt aufzubauen. So auch den beiden jungen Studenten Alexander Rösner und Klaas Kersting mit ihrem Steckenpferd Ogame, das noch heute zu den meistgespielten Browsergames gezählt wird. Im selben Jahr gründen sie die Firma Gameforge, um in Zukunft auf professioneller Basis Browserspiele zu entwickeln.
Das Konzept hat Erfolg: Die junge Firma erlebt einen immensen Aufschwung und released ein Spiel nach dem anderen, jedes mit einer Community von tausenden begeisterten Spielern. Immer mehr kleinere Firmen folgen dem Beispiel und erzeugen Konkurrenzdruck, der zu immer besseren und auch grafisch anspruchsvolleren Titel führt. Es entwickelt sich ein wahrer Hype daraus: In den Schulpausen hört man von nun an immer öfter Sprüche wie „Meld dich doch auch mal bei dem Browserspiel an, macht total Spass und ist außerdem komplett kostenlos!“. Letzt genannte Aussage trifft übrigens auch heute noch auf den größten Teil der Browsergames zu, statt durch Verkaufspreise oder monatliche Gebüren erzielen die Entwickler ihren Gewinn durch geschickt plazierte Werbebanner oder freiwillige Premiumaccounts bzw. Ingame-Item-Verkauf.
Heutzutage sind Browsergames schon lange nicht mehr rein auf Texttabellen basierte Spiele für Zwischendurch: Die Entwickler greifen immer öfter auf moderne Webtechnologien wie Flash oder AJAX zurück, um ein möglichst identisches Grafikerlebnis zu vollwertigen Verkaufstiteln bieten zu können. Dies ist zwar meiner Meinung nach noch keinem Browsergame-Entwickler zu 100% gelungen, doch fragt man einmal einige der Millionen begeisterter Spieler nach dem entscheidenden Etwas, das Browsergames ihrer Meinung nach ausmacht, so erhält man meistens folgende Punkte genannt:
1. Die riesigen, ständig wachsenden Communities,
2. Die bei vielen Spielen ständige Weiterentwicklung durch die Administratoren sowie
3. Die Möglichkeit, sich von jedem PC mit Internetanschluss aus in seinen Account einloggen zu können.
Fazit: Es ist also nicht die allertollste Grafik oder der schnellste Server, die ein gutes Browserspiel ausmacht: Viel mehr Wert wird von vielen Entwickler und Spielern hierbei auf einen großen Langzeitspass, gute Teamwork-Möglichkeiten und nette Communityfeatures gelegt.
Wer inzwischen selber Lust bekommen hat, einmal so ein Browsergame auszuprobieren, dem kann ich folgende Seiten uneingeschränkt empfehlen:
• www.Galaxy-News.de : Eines der größten deutschen Portale rund um Browsergames, mit großem Spieleverzeichnis, aktiven Foren und einer netten Community.
• www.Bigpoint.de : Eine große Sammlung an eher grafiklastigen Browsergames – eine Anmeldung genügt und man kann 21 Browsergames kostenlos spielen.
• www.Darkfleet.de : Einer meiner persönlichen Browsergamefavouriten – eine Mischung aus eher mittelmäßiger Grafik mit einer exzellenten Community, großer Spieltiefe und einer riesigen Spielwelt.